Als der Ball noch eckig war

Klar spiele ich – hier und da. So Online-Gedöns – Mmorpg, (die Eingeweihten wissen schon was ich meine). Aber ich zocke nicht wirklich ernst. Nur ab und zu. Wenn Zeit ist halt. Und nie alleine. Es sind immer ein paar Kumpels online – zumindest fast immer. Also ganz oft. Und nicht bloß online Bekanntschaften – solche Menschen, die sich dann Heldennamen geben weil sie eigentlich ganz kleine Lichter sind. Oder die sich EvilMaster nennen und privat so ganz total nett sind. Ne ne. Die Leute, mit denen ich dann online bin, kenne ich auch im RL, wie man ja so schön sagt, im Real Life. Meistens.

Aber – um beim Thema zu bleiben – ab und an wenn ich spiele lehne ich mich zurück und denke mir: „Wie krass ist das eigentlich?“ Da hockst du hier vor deinem CrystalView Monitor, siehst Wettereffekte die sich kaum von dem Scheißwetter draußen unterscheiden, Blätter, die von einer digitalen Brise bewegt werden und steuerst einen Mennes, der so detailliert ist, dass man fast die abgekauten Fingernägel des Programmierers sehen kann. Rundherum stehen lauter andere Figuren, die allesamt anders aussehen und jeweils von anderen gesteuert werden. Jeder kann mit jedem interagieren und per Tastatur voll schwätzen – in Echtzeit natürlich.

„Na und?“ wird sich der eine oder andere jetzt fragen?
Eben – das ist der Punkt. Wer macht sich heute schon noch Gedanken darüber, wie faszinierend das eigentlich ist? Doch nur Menschen, die noch mit diesem „es gab nur drei Programme, niemals Werbung nach Acht und die Telefone hatten eine Wählscheibe“ aufgewachsen sind. Die Ratz und Rübe, Lemmi und die Schmöcker und Das Feuerrote Spielmobil geschaut haben lange bevor man hier Mangas kannte.

Irgendwann gegen 77/78 kam mein Papa mal mit zwei mächtigen Kartons unterm Arm nach Hause. Mein Onkel hatte aus Kanada irgendeine 8Bit Konsole und die dazu passende Lichtpistole mitgebracht. Ohne Module, aber mit 6 integrierten Spielen: Pong, Tennis, Pelota, Eishockey (was quasi genau wie Tennis war, aber man steuerte 5 oder 6 Striche in drei Reihen – gleichzeitig selbstverständlich) und 2 Versionen Tontaubenschiessen. Die Controller waren fest mit der Kiste verdrahtet und hatten nichts außer einem Drehregler, nicht mal nen Feuerknopf. Der Hit war aber die Lichtpistole: Wir mussten die Rollos immer runterlassen damit sie funktionierte. Wenn man dann so ungefähr auf das ca. 2×2cm große Kästchen schoss, das entweder von links nach rechts durchs Bild flog oder an den Rändern des Bildschirmes abprallte, verschwand das Kästchen und es gab einen Punkt. Nicht 100, 150 oder gleich 1000 Punkte wie heute – nein, nur einen einzigen Punkt. Man konnte aber auch einfach nur auf unsere Stehlampe zielen, die wegen des runtergelassenen Rollos immer an war, dann gab’s auch einen Punkt.

Gegen ’82 hatten die Drehregler ausgedient und wir konnten an einem C64 zocken. In Farbe! Genauer gesagt mit 16 Farben. Mit der VC1541 wurden haufenweise Spiele von und auf die Datasette eines Freundes kopiert. Manche der Kopien funktionierten dann sogar. Frogger und Camels waren unsere ersten Spiele, mit Decathlon ruinierten wir unsere Controller und erarbeiteten uns erste Sehnenscheidenentzündungen. Tja, später dann stand der erste 286er in unserem Zimmer, dann ein 486er und so weiter und so fort.

Kein Wunder also, dass ich mich heutzutage beim Anblick meiner beiden TFT Monitore mit 16.777.216 Farben zurücklehne und daran denke, dass der Ball früher mal quadratisch war.

Ein Kommentar zu “Als der Ball noch eckig war”

  1. Blaster

    Yo man,
    das warn Zeiten. Schon geil irgendwie. Und ich würd auch ma gern checken ob ich dich im Tennis immer noch abziehen kann ;-)

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