Der Show gewordene Niveau Untergang Deutscher Musik

Nur mal durchzappen. Mehr hatte ich gar nicht vor. Und dann lande ich natürlich genau im Schnelldurchlauf von Raab deutschem Abklatsch der Eurovisions Veranstaltung (für die internationale Variante bin ich sowieso zu heterosexuell).
Als ob die Deutsche Musikszene nichts Besseres zu bieten hätte. Nun weiß ich natürlich nicht, ob ich mir nur auf Basis des Schnelldurchlaufes ein Urteil erlauben kann, aber was bleibt mir anderes übrig – mehr davon hätte ich sowieso nicht ausgehalten. Als Nachwuchswettbewerb hätte das noch durchgehen können – aber auch nur auf lokaler Ebene – der dicke Musikpreis von Wetzlar oder so.

Selbst die großen Namen konnte heute Abend enttäuschen. Aber die paar Minuten, um alle Mitschuldigen einzeln zu verreißen, nehme ich mir. Alles was ich bisher von den massiven Tönen gehört habe, war besser als das, was gerade sekundenlang zu hören war. TipTop haben einen TopFlop zum besten gegeben, der anscheinend versuchte auf der Welle von Trio zu reiten, obwohl diese schon seit Jahren am Stand versickert ist. Für Seed gilt das das gleiche wie für die Töne – „die machen doch sonst richtig gutes Zeug“. Für Brandburg trat das Lemonbabie Diana scheinbar trotz schwerwiegendem Atemproblem auf.
Der kurze Ausschnitt der Revolverhelden war einer der wenigen, die nach etwas mehr klangen. Selbiges gilt für den Elbbarden OleSoul, auch wenn er sich fernab von meinem Musikgeschmack bewegte. Scheiß auf den Lokalpatriotismus – 3 Zeilen von Nadja waren mehr als genug um ein vernichtendes Urteil zu fällen. Zu Pyranja fällt mir nichts mehr ein – der Verdrängungsprozess hat glücklicherweise schnell eingesetzt. Niedersachsen schickte den weichgespülten Marlon ins Rennen, dessen androgynes Gehabe mich auch bei ausgeschaltetem Ton total verstört hätte.
Das positivste, was ich über AK4711 sagen kann ist, das ich den Namen immerhin interessant finde – das Lied hab ich zum Glück auch schon verdrängt. Mit 200 Sachen könnte man meinetwegen gerne auch die Frontfrau der gleichnamigen Band an die Wand werfen – das würde sich bestimmt besser anhören. Die Dame von Reminder und ihre Mannen traten scheinbar in Fechteranzügen auf. Leider konnte das aber nicht gut genug von mangelhaften Sangeskünsten ablenken. Was den Popsong der Raketen angeht: normalerweise sagt man ja “besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht“. Doch sie erbrachten den Gegenbeweis.
Mit Toni Kater (sie und ihre Band hatten aber wirklich Fechtanzüge an) aus Sachsen-Anhalt hat man die zweite überflüssige Hupfdolle aus dem Osten ans Micro gelassen. „Drüben“ mag man so trällernder Mädels scheinbar. Bei TempEau fällt mir das Lied nicht mehr – wahrscheinlich besser so – und wahrscheinlich auch mit gutem Grund. Und dann war da noch In Extremo, die ich sowieso zu extrem finde – schlichtweg nicht meine Musik.

Zwei mal hab ich noch zurück gezappt, weil ich dann ja doch wissen wollte, wer nun gewinnt. Aber alles, was ich sah, waren rudelweise unbekannte Radiomoderatoren, denen der Sprung auf den Fernsehbildschirm bis dato aus gutem Grund verwährt wurde, und die sich inmitten eines unnatürlich aufgeputschten Publikums in die tiefsten Niederungen der Moderation herabließen, um die 12 Punkte am Ende doch ins eigene Bundesland abzuschieben.
Seeed hat dann gewonnen – alles andere wäre aber auch gerichtlich anfechtbar gewesen.
Die Idee, einen wettbewerb nur mit deutscher Musik zu machen, ist eine gute. Aber dann doch bitte mit einem Mindestniveau.
Da lob ich mir doch die gute alte Hitparade von Dieter Thomas Heck – da war ich mir wenigsten sicher, dass ich fernab der Zielgruppe bin.

6 Kommentare zu “Der Show gewordene Niveau Untergang Deutscher Musik”

  1. djrollyb

    ähm
    das mit den fechtanzügen war toni kater

    ansonsten hast du recht

  2. Peter

    Da hast du besser aufgepasst als ich. Aber ich hab ja auch nur den Schnelldurchlauf mitgenommen – da kann man sich schon mal vertun. Danke für den Hinweis.

  3. kosmar

    [vorsicht, miese laune]

    lieber herr texter. bitte mehr absätze. ich les doch eh so ungern. wir grafiker nennen das gern bleiwüste.

    ich druck mir das jetzt aus, zerschneids und mach mir mein eigenes layout :)

    zum inhalt: wie immer sehr gut beobachtet, setzen 2+ :)

  4. kosmar

    jetzt besser. gut, ja, noch ein wenig. stop. jetzt fertig. so lassen.

  5. Blaster

    Ein bisschen einfach und flach mal eben sämtliche Teilnehmer zu verreißen. Das ganze liest sich, als hätte der Autor extrem miese Laune beim Schreiben gehabt. Etwas zu negativ halt.
    Schön fand ich allerdings den Absatz über die Damen und Herren Radiomoderatoren.

  6. Blogwinkel » Schön Deutsch

    [...] Klingt hoffentlich nicht braun die Überschrift. Denn so ist sie nun wirklich nicht gemeint. Geht nämlich nur um Musik hier. Um deutsche Musik. Genauer gesagt um deutsch Musik mit deutschen Texten. Und da gibt es mittlerweile ziemlich viel und ziemlich gutes Zeug. Ausnahmen treten bei Raab auf und bestätigen die Regel. Kettcar und Tomte sind zwar fast schon Mainstream, was der Güte ihrer Musik jedoch keinen Abbruch tut. Aber da gibt es ja auch noch jede Menge mehr wirklich hörbare Zeitgenossen. Beispiele gefällig? Bitte: Niels Frevert, Erdmöbel (”Dreierbahn” in der Version vs. Ekimas ist immernoch ein Hammer) oder auch Ganz schön feist. Von letztgenannte ist auch das Lied, dessen Zählerstand auf meinem iPod in den letzten Tagen mächtig angestiegen ist. „Warum sind wir hier“ bietet Rudelweise schöne Zeilen über den (Un-) Sinn des Lebens. Ich zitiere mal ein paar: [...]

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