Bilderklau und Menschenjagd auf FlickR

Das es auf FlickR ein paar kleine Probleme mit den Rechten gibt und man als Blogger auch schon mal abgemahnt wird, weil man auf den „Blog this“ Button klickt, ist ja hinlänglich bekannt. Und das dann der Anwalt zum zocken – besser gesagt abzocken – um die Ecke kommt auch. Gut – man muss auch diejenigen verstehen, die dort ihre Bilder zeigen und nicht möchten, dass sie ohne ihr Wissen auf anderen Webseiten auftauchen – wohlmöglich in einem Kontext, der ihnen so gar nicht behagt. Teil des Problems ist sicher, dass sich in der FlickR Standarteinstellung alle Bilder mit nur einem Klick herunterladen lassen. Der versierte Benutzer weiß, wie man diese Einstellungen schnell ändern kann – der Anfänger muss dafür allerdings schon ziemlich rumklicken.

Was allerdings in den letzten Tagen auf FlickR abgeht, spottet jeder Beschreibung, denn nun wird dort als Antwort auf den „Bilderklau“, wenn man es in diesem Falle denn so nennen mag, zur Menschenjagd aufgerufen. Aber der Reihen nach:

Ausgangspunkt war wohl, dass ein Fotograph feststellte, dass Bilder seiner Tochter, die er in der Gruppe „Children Portrait’s“ gestellt hatte, in einem japanischen Blog auftauchten. Und dort waren ca. 700 weitere Bilder von kleinen Mädchen zusehen – zumeist ebenfalls aus der FlickR Gruppe „Children Portrait’s“. Dazu relativ wenig japanische Schriftzeichen, die der gute Fotograph so gar nicht entziffern konnte. Für ihn allerdings kein Grund gleich die ganz großen Geschütze aufzufahren: da wird schnell mal zur Menschenjagd aufgerufen – und dann beim FBI angerufen.

Der Stein kommt ins Rollen und rudelweise kritiklose Amis schubsen ihn kräftig an. Die mittlerweile 353 Kommentare starke „Diskussion“ (wenn man es so nennen darf?), die man unter dem Bild mit Aufruf zur Menschenjagd findet, strotz nur so vor Ignoranz und Dummheit. Sie reichen von „I want to rip off the ass holes head!” über “I SAY HUNT HIM DOWN AND CUT “IT” OFF !!!! GET HIM !!!!!“ bis hin zu “Hunt them down and shoot with them with a 10 pence bullit. Quick, clean and cheap” und “Good luck with the hunting. Shoot him (or them) down“ Und das ist nur eine Auswahl.

Durchatmen.

Okay – das es falsch ist FlickR-Bilder auf anderen Seiten zu posten, wenn es nicht ausdrücklich erlaubt wird, darüber braucht man nicht zu reden. Rechte am Bild – pipapo – alles keine Frage. Und das Pädophile zu den verachtenswertesten Geschöpfen auf Erden zählen ist auch nicht der Punkt. Aber ohne Rückfrage und ohne des Japanischen mächtig zu sein dann schnell mal zur Menschenjagd aufzurufen ist doch äußerst fragwürdig. Sogar mehr als das.

Denn worüber sich all die sorgenden Eltern hier aufregen, sind doch die eigenen Bilder. Die Bilder, die sie selbst von ihren Kindern gemacht und ins Internet gestellt haben – nur das sie nun eben auch unter einer anderen URL zu finden sind.

Dabei lässt sich das ganz einfach verhindern: Wer nicht möchte, dass sich irgendjemand diese Bilder ansieht und sich dabei Gedanken macht, die den Eltern und Kinder nicht gefallen, der stellt sie einfach nicht ins Internet. Weder auf FlickR noch sonst irgendwo. Über diesen „Kinder-Exibitionismus“ mancher Eltern, der oben im Spreeblick auch schon mal diskutiert wurde, kann ich einfach nur den Kopf schütteln. Aber die Auswüchse, die selbiger nun auf FlickR zeigt, sind mir völlig unverständlich.

Und nun?

Auf FlickR häufen sich in den letzten Tagen die User, die ihre Accounts ganz umstellen, so dass nur noch deren Kontakte die Bilder sehen können.

Dazu werden die Tipps weitergereicht, wie man die „Blog this“ Funktion deaktiviert (flickr.com/account/prefs/blogging/), die Downloadfunktion abstellt (flickr.com/account/prefs/apioptout/) und wie man herausfinden kann, wo die eigenen Bilder gebloggt wurden.

Der gute Fotograph glaubt sich auf der Gewinnerseite – scheinbar ohne zu merken, dass er dafür gesorgt hat, dass seine Tochter ihre Internet-Unschuld verloren hat.

Ich warte nur auf den Tag, an dem in Amerika das erste mittlerweile halbwüchsige Kind seine Eltern verklagt, weil diese Bilder von ihm auf FlickR veröffentlicht haben. Irgendwie freu ich mich sogar drauf, glaube ich.

7 Kommentare zu “Bilderklau und Menschenjagd auf FlickR”

  1. frau k.

    krank.. echt krank die Amis.. haben die sonst nix zu tun? lesen die denn nicht das kleingedruckte bei flickr?

  2. MC Winkel

    Texas ist überall!

  3. Mainbube

    Kleingedruckte? Kennen die doch nicht, die verklagen gleich FlickR, weil die nicht geschrieben haben was alles passieren kann. Das ist dann wie bei den betriebsanleitungen für Mikrowellen, wenn da nicht drinsteht, dass der Hamster da nicht reindarf, dann darf der da rein und wenn der dann stirbt, dann wird der Hersteller der Mikrowelle eben verklagt.

  4. Senderin

    Das ist typisch Amiland. Sich selbst keine Gedanken über die Folgen des eigenen Handelns machen und dann großes Geschrei veranstalten.

  5. SirParker

    Über die Vorgehensweise des gemeinen Amerikaners bzgl. Leuten, die er als Verbrecher betrachtet müssen wir uns nicht mehr unterhalten… ich denke da beispielsweise auch an die öffentlichen Listen, in denen die Wohnorte mancher Verbrecher bekannt gegeben werden, damit der freundliche Nachbar schnell bei Wal-Markt eine Halbautomatik kaufen kann, um sich und seine Familie auch angemessen schützen zu können.

  6. neues aus der roiberhöhle » Blog Archive » zur kenntnisnahme

    [...] ein sehr gute und unaufgeregte zusammenfassung der ereignisse der letzten tage, die irgendwie gänzlich an mir vorbei gegangen ist. Posted in nachdenken, flickr, roibernet, bloggin, weltgeist, roibernews | [...]

  7. Blogwinkel » Blog Archive » FlickR verlernt Deutsch

    [...] aber hab ich gestern Kosmars Update und den Plog-Eintrag gelesen. Tja. Das Flickr Moral Probleme hat wußte ich ja. Aber das ist nun doch etwas heftig. Also alle FlickR User bitte mal das Bildchen hochladen und [...]

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