Mit Kratzern nach Berlin

Geplant war die Anreise zur Re:Publica etwas anders: Entspanntes Cruisen mit 2 Stunden Zeitpuffer und dazu die vorbereiteten Playlist vom iPod. Das ich die 2 Stunden Zeitpolster ausnutzen würde, war schon klar, aber doch nicht so.

Eine unbedachte Bemerkung führte dazu, dass ich einen Beifahrer aus der näheren Verwandtschaft gewann. Ein extrem ordentlicher Mann unter 70 (auch unter 1,70m?), der leider auch der Vorbesitzer meines jetzigen Gefährts ist.

Nun unterscheidet uns nicht nur die Wertschätzung eines Automobiles und die dementsprechende Leidenschaft zur Autopflege, auch sonst unterscheiden wir uns in vielerlei Hinsicht. Statt also wie geplant Sachen zu packen, ins Auto zu werfen und loszufahren stand also heute früh noch Wagen aussaugen auf dem Programm. Der Wagen hatte es allerdings auch bitter nötig – die letzte Saugung lag definitiv schon mehrere Monate zurück.

50 gut investierte Cent, denn was das außer versteinerten Gummibärchen, Taschentuchfetzen und Kekskrümeln alles durch Rohr huschte, möchte ich gar nicht wissen. 4 Minuten saugen sollten zwar nicht reichen, um mir eine beiläufige Bemerkung über KFZ-Hygiene zu ersparen, haben mich aber sicherlich vor eine Diskussion über Werterhaltung und Verwahrlosung erspart.

Im Innenraum ließen sich meine Gebrauchsspuren noch relativ gut kaschieren – mit den Lackschäden sieht das anders aus. Die kleine Beule in der Türe kennt er ja – schließlich war es die Türe seiner Toreinfahrt, der ich die Delle auf der Beifahrerseite zu verdanken habe. Die lange zerkratzte Fläche, die die Kante des hinteren Radkastens gesamten ziert, hat er bestimmt schon mal gesehen. Ganz sicher. Denn als ich mir den anderen hinteren Kotflügel genauso zerkratzt habe, habe ich ja gehofft, dass er nicht mehr genau weiß, auf welcher Seite ich seinem Wagen schon wieder eine Wunde zugefügt habe. Gut, die neuere der beiden Schrammen war etwas größer als die andere, aber das hat sich ja mittlerweile erledigt – ich hab doch so einen engen Stellplatz.

Wie dem auch sei – erst beim Aussaugen ist mir dann wieder der kaputte Außenspiegel aufgefallen – ich sehe den Wagen ja fast nie von der Beifahrerseite aus und der Spiegel ist noch okay, nur die Verkleidung ist hin. Noch eine Blessur, die ihm sicher auffällt.

Einpacken und so hat dann natürlich auch wieder länger gedauert, so das von den 2 Stunden Polster noch knappe 15 Minuten übrig waren, als wir Frankfurt verließen. Die Fahrt an sich war dann relativ ruhig. In der Baustelle erzählte er mir, dass er in Baustellen grundsätzlich rechts fährt. „Ja.“ sag ich und bleibe links.

Dann hab ich uns ein paar der Podcasts zur Re:Publica von Nicole Simon angemacht – das war schön. Eigentlich. Aber der iPod hat ja ne Pausetaste und zurückspulen ist auch ganz einfach.

Später hab ich dann in der Baustelle mit dem Knie gelenkt, während ich was getrunken habe und er tief in die Radkästen des LKW rechts neben uns blickte. Ein guter Augenblick, um mit ihm über die kleinen Macken am Wagen zu sprechen und darüber, wie schnell man sich doch bei der Einschätzung der Breite des Wagens vertun kann. Aber ich hab es dann doch nicht erwähnt – er schien mir zu abgelenkt.

War auch nicht so eng, wie es für ihn aussah. Da war es viel heikler, als er dann für eine Stunde das Steuer übernommen hatte und von rechts auf die Mittelspur ohne Schulterblick wechselte. Viele Grüße an dieser Stelle an die Reaktionsfreudige Fahrerin des silbernen Mercedes Kombi – ja, Sie hatten Recht und sie währen auch die stärkere gewesen. Danke, dass wir das nicht ausprobiert haben. Und: Ja, Ihre Hupe ist wirklich toll laut – er hat sich auch mächtig erschreckt.

5 Kommentare zu “Mit Kratzern nach Berlin”

  1. kosmar

    klingt wie ne gute einstimmung … wir sehen uns dann morgen, was?

  2. supatyp

    ich fahr gleich los

  3. Jens

    LOL ich bepiss mich grad fast vor lachen…

  4. Mainbube

    Mit dem Vorbesitzer in einem Auto? Das ist mir auch schon passiert und es ist echt ätzend.

  5. Fischkopp

    Es gibt schon komische Typen! Aber ich kenne auch Dein Auto!!
    Was ich ich nicht verstehe, warum war ER so unentspannt in der Baustelle?!
    Grüße aus HH

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