Wiegemeister und Fäulnisgeruch

Bei den Samstäglichen Kofferraumserviceterminen der FES, der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH, bin ich wahrscheinlich ein gern gesehener Gast. Im Zuge einiger Pre-Anbau Entrümpelungsaktionen habe ich die Dependance in der Weidenbornstraße so einige Male angefahren und wurde stehst freundlich empfangen.

Gummitonnen

Nicht weiter verwunderlich, schließlich verstecke ich die Holzreste, Zaunpfähle, Alt-Möbel, Farbreste und den Metallschrot bei Einfahrt in den hellen, aufgeräumten Hof nicht in blauen Säcken und werfe alles zum Grünschnitt.

 

Nein – bei der FES kenne mich aus. Ich weiß, was ich wo hinwerfen darf und wo ich Batterien oder Elektroschott abgeben muss. Auf diesem Hof sind meiner Söhne schon Müllauto und Kehrmaschine gefahrene – beim letzte Sommerfest. Überhaupt, hübsch ist es dort. Im ersten Hof stehen die großen Straßenreinigungsfahrzeuge ordentlich nebeneinander, fast schon alphabetisch geordnet. Im zweiten Hof sieht man den Brunnen und die Grünflächen – wenn die Tonnen mit der „Tierkadaver“-Aufschrift nicht in Sichtweite stehen würden, möchten man fast die Picknickdecke ausbreiten.

 

Anders gesagt: Die FES ist der Entsorger meines Vertrauens. Obwohl, aber auch nur weil sie Holzabfälle der Abfallklasse IV nicht annehmen. Denn nur deshalb musste ich zu einem anderen Entsorger und weiß seit dieser Erfahrung die FES zu schätzen.

 

12 alte Eisenbahnbohlen nimmt man nicht einfach so untern den Arm. Da sie ihre Dienste als Gartentreppe nun lange genug verrichtet haben, müssen sie raus aus dem Garten. Nachdem ich sie letzte Woche zu 2 sauberen Stapeln geschichtet hatte, hat einer der Bauarbeiter sie schnell mit dem Kran vors Haus gelegt, so dass ich sie problemlos in den Kofferraum packen konnte – zumindest einen der Stapel.

 

Quer durch Frankfurt zu dem zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb, den man mir an der FES Hotline genannt hat, den Wagen auf der Waage geparkt und ausgestiegen.

 

Fast. Ein unglaublicher Gestank schlägt mir schon beim Öffnen der Türe entgegen. So streng, das ich das Gefühl habe, ich müsste die Autotüre gegen den Gestank fester aufdrücken. Einen Fuß raus und platsch – der Boden ist mit einer Zentimeter dicken schlammigen Schicht versehen. Augen zu und durch. Auf dem Weg zum Wiegemeister frage ich mich, ob es eine Frankfurter Entsorgungsmafia gibt, die nachts auf diesem Hof heimlich Dixi Klos entleeren.

 

Drinnen ist relativ. Ich bin zwar die Alutreppe hoch, durch die Türe und ins Gebäude gegangen, aber der kleine Raum, der mit einer hüfthohen Mauer und viel Glas vollständig vom restlichen Büro abgeteilt wurde, ist nicht viel mehr als ein überdachtes draußen. Rechts sieht man durch ein kleines Fenster, wie sich der Wiegemeister hinter einem Vollbart versteckt, den er sicher parfümiert, um hier zu überleben.
Das Fenster ist auf Höhe Bauchnabel bis Brust – darüber hängt ein Zettel „500,- Euro Scheine werden nur bei Vorlage eines gültigen Personalausweises angenommen“. Wer den Wiegemeister sehen möchte, muss sich also devot nach unten beugen, um ihn huldigend von unten ansprechen zu dürfen – den Herrn über die Waage. Er notiert sich Name und Anschrift, Müllherkunft, Autonummer und schickt mich mit drei Zetteln zurück in den Mief. Der Hofmeister wird mir sagen, wo ich abladen darf. Und

„Wachen Sie sich net uff die Waach bevor dera Zettel net ausgefüllt is.“

Luft anhalten und raus zum Auto. Schlechtes Gefühl beim Einsteigen. Ich fahre an zwei monstösen großen Radladern vorbei in die Ecke, die der Hofmeister für mich ausgedeutet hat.

 

Entsorger 2

 

Aussteigen ist lebensbedrohlich. Ich weiß nicht, wie Galle, Eiter, Verwesung und Pest riechen, aber es roch so ekelhaft, wie die Wörter klingen. Niemals habe ich schlimmeren Gestank erlebt, niemals penetranteren. Alle Arbeiter tragen einen Mundschutz, ich lade 180 Kilo Holzabfall Abfallklasse IV ab und flüchte ins Auto. Schnell den Zettel ausfüllen, ab auf die Waage und weiter zum Wiegemeister. Zahlen dauert etwas – besonders der Ausdruck des

„Übernahmeschein zum Nachweis der Übernahme von Abfällen“.

Entsorger 1

Nach fünf Minuten fahre ich vom Hof, eine Sekunde später sind alle Fenster des Autos offen, dem Muff, Feinstaub und Dreck der Kipper auf der Hanauer Landstraße zum Trotz.

 

Schnell nach Hause, da erwarten mich 220 Kilo Holzabfall Abfallklasse IV.

2 Kommentare zu “Wiegemeister und Fäulnisgeruch”

  1. Webrocker

    uiuiui… bist du dahinter gekommen, *was* da so gemüffelt hat?

  2. Mainbube

    Warun nimmt die FES diese Abfälle nicht an?

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