„1 x Personalausweis und Reisepass bitte.“

Für die Reisegewinngeschichte brauche ich ja einen Reisepass – Indonesien ist ja nicht EU. Zum Glück hab ich relativ zeitig mal geschaut, wie lange das Ding noch gültig ist war. Januar 08. Kein Problem, fliegst ja erst in 4 Wochen. Also: „Herr Innenminister, 1 x Personalausweis und Reisepass bitte.“

Auf Weg ins Parkhaus sehe ich auf dem kleinen Stück Bordstein zwei rotbejackte Damen und wundere mich – lauschiges Mittagspäuschen? Dann direkt ins Bürgeramt; Ankunft 12 Uhr 16. Kaum an die Infotheke herangetreten bestätigt eine nette Dame meine Befürchtung, dass Verlängern gar nicht geht und ein Biometrischer her muß. Also rüber zum FlugsFoto Mann um Bio-Bilder machen zu lassen. Der Spiegel sagt mir, dass meine Haare in diesem Jahrtausend noch nie so lang waren. Und einen Kamm hatte ich auch nicht.

Nachdem ich mich gesetzt und der Fotograph indischer Herkunft mich mit behutsamer und geübter Hand in die korrekte Biometrische Position gebracht hatte, gab es vier Blitze, während derer ich heimlich gelächelt habe.

Die Bilder in der Hand unterwegs zurück zum Bürgeramt fiel mir zwei weitere Damen in roten Jacken auf, und da begriff ich: Heute ist Volkszählung im Nordwest-Zentrum. Und „Klick“ registrierten mich die beiden im vorbeigehen.

Mittlerweile war es kurz vor halb eins. Im Bürgeramt lächelte ich die Infofrau an und wedelte bedeutungsschwanger mit dem Flux-Foto Umschlag. Sie überreichte mir die Startnummer 55, Ein Blick auf das Display, Pling, Nummer 54 wird aufgerufen.

Eine Minute später das nächste Pling.

Ich gebe der Dame an Schalter 3 den abgelaufenen Perso, erzähle, was ich von ihr möchte und reiche ihr die Bilder rüber. Nach reichlich Bildschirmarbeit greift sie zu den Bildern, nimmt sie heraus und schaut sich mein „langhaariges“ lächelndes ich über den Rand ihrer Brille hinweg prüfen an. Dann deutet sie vorwurfsvoll drauf und sagt streng: „Da lächeln Sie ja.“. Ich schau genauer hin, lächelte sie an und sage etwas wie: „Nein, nein, ich bin nur so ein positiver Mensch – ich seh’ immer so aus.

Mit einem kritischen „Na, mal sehen ob der Scanner das akzeptiert.“ beginnt sie den komplizierten Ausschneidevorgang mit Hilfe einer Biometrische-Bilder-Größen-und-Proportionen-Überprüf-Schablone. Die Bilder werden aufgeklebt, der Scanner scant, Bilder werden wieder abgelöst, Formulare unterschrieben und in zwei Durchgängen bedruckt.

Dann: der gefürchtete Fingerscan. Sie holt ein Gerät hervor, das einem besonders fortschrittlichen Lade- oder Datenübertragungsding gleicht, und erklärt mir, wann ich meinen Finger wie und wo drauflegen oder wegnehmen muss. Grundsätzlich hatte ich sie verstanden, aber ich glaube, ich hab es nicht so gut gemacht. Zumindest gab sie mir mit ihrem energischen „Wieder hoch!“ oder „Noch nicht wegnehmen!“ nicht das Gefühl, dass ich es gut gemacht hätte.

Danach regelten wir das Finanzielle. Sie suchte uns ein stilles Eckchen in ihrem Großraumbüro und bei mir hat’s dann schon im zweiten Versuch geklappt, mit der Geheimzahl.

Als ich das Bürgeramt gegen viertel vor Eins verließ, war ich zwar recht froh, die Passgeschichte geregelt zu haben, doch ich ging dennoch nicht gefasst und mit erhobenem Haupt. Stattdessen fühlte ich mich erfasst und erhoben. Langhaarig lächelnd habe ich es ertragen, aber auch das konnte sie nicht davon abhalten:

Sie hatten mich geschäubelt.

Ich werde mir die Haare abschneiden müssen, um dieses Gefühl wieder loszuwerden.

Aber sollte ich damit besser warten, bis ich den Pass abgeholt habe?

Ein Kommentar zu “„1 x Personalausweis und Reisepass bitte.“”

  1. Venden

    Nö… gleich ab :)

    Und dann noch am Flughafen einen Aufstand proben, wenn die guten Herren Stress machen: “WIE? Jetzt verbietet mir der Innenminister auch noch meine Haare zu schneiden?” :)

    Also, los zum Friseur deines Vertrauens. Noch besser alles ab und mit Glatze durch die Kontrolle! Nur Mut!

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