Arak-Allergie

Das lief dann wohl ganz anders als gedacht. Statt schon früh am Vormittag aufzubrechen um die eine oder andere Sehenswürdigkeit, die jeder Reiseführer als Pflichtprogramm ausweist, abzuharken, treffe ich am Frühstückstisch auf Peter und Jutta, zwei Bali Veteranen, die hier in der Villa Dawani Zwischenstation machen. Peter ist mit altersmäßig knapp überlegen, Jutta könnte wahlweise seine oder meine Mutter sein, ist sie aber nicht. Nachdem die beiden die ersten Deutschen (Europäer)sind, die ich hier treffe (was einzig und allein mit meiner Zurückhaltung bei Besuch der Touri Plätze zusammenhängt), kommen wir schnell in Gespräch, sind uns sympatisch und ich werde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit Ihnen heute ein bisschen rumzufahren.

Eine halbe Stunde später sitze ich auf der Rückbank eines verdächtig rappeligen Mini Jeeps unterwegs nach Denpasar. Während der Fahrt erfahre ich, dass Peter seit 10 Jahren nach bali kommt und quasi der Adoptivsohn einer Balinesischen Familie aus dem Norden ist. So erklärt sich auch, dass er fließend Balinesisch spricht und damit hier alle Trümpfe in der Hand hält.

Als erste geht es in ein Einkaufszentrum um ein paar Klamotten zu kaufen und Geschenke für seine Gastfamilie. Neben ein paar Massage Läden, einen Reptilienhandel mit reichlich Schlangen, Schildkröten und Echsen, einer Bowlingbahn, eine Spielhölle und ein paar Fressläden fällt mir ein CD Laden auf. In den Regalen stehen tausende ungewöhnlich verpackte Silberlinge: allesamt nur in das Papier-Cover eingeschlagen und zusätzlich mit Plastikfolie verschweißt kommen sie mir etwas ungewöhnlich vor – sicherlich auch, weil jede Einzelne, ob DVD, PS3- oder Wii Spiel, nur umgerechnet nur 1,34 kosten. Schließlich komme ich an einem Regal vorbei, in dem CDs in den mir bekannten Plastikboxen stehen und das bezeichnender Weise groß und breit mit der Aufschrift „Original DVDs“ beschriftet ist. Aha. Letzte Zweifel werden ein paar Meter weiter in der Abteilung für PC Software ausgeräumt, in der mir eine Windows Vista CD ins Auge fällt – in der mir bis dato unbekannten „Ultimate Cracked Version“.

Weiter Richtung Ubud, einer Stadt im Inneren von Bali, vorher allerdings noch auf den Art Market nach Sukawati. Ein recht großes Haus mit gefühlten 100ten von Läden, die entweder Sarongs und T-Shirts oder allerlei Balinesische Handwerkswaren verkaufen: Masken, Holzfiguren, Aschenbecher und ähnliches wird feil geboten – das Angebot der einzelnen Läden unterscheidet sich nur minimal. Alle drei kaufen wir ein bisschen ein und bedienen uns dabei Peters Sprachkenntnissen, die dafür verantwortlich sind, das er jede Verkäuferin und jeden Händler um den Finger wickelt und damit die bestmöglichen Preise raushandelt.

Danach geht es weiter nach Ubud und die Straßen sind, wie schon auf den vielen Kilometern zuvor, gesäumt von unglaublich vielen Läden, die entweder Steinfiguren oder Holzschnitzereien verkaufen. Wobei, „unglaublich viele Läden“ umschreibt diese Masse nur unzureichend. Es ist mit nicht erklärlich, wer all diese Massen an Buddas, Figuren, Möbeln, Türen und sonstigen Handwerkswaren aus Stein oder Holz jemals kaufen sollte und ich denke darüber nach, ob es Sinn mache würde, das Bett, das bei uns Zuhause derzeit noch fehlt, hier schnitzen zu lassen und dann per Container nach FFM zu verfrachten.
Am späten Nachmittag erreichen wir Ubud und fahren in eines der Lieblingsrestaurants der beiden. Vorher zeigt mir Peter aber noch kurz einen versteckten Tempel gegenüber, dessen Lage und Ausstrahlung die Tempel, die ich bis dahin schon sah, locker aussticht. Die reichlich Gold verziehrten Gebäude liegen zwar mitten in der Stadt, sind aber von derart wuchtiger und dichter Vegetation umgeben, dass man von dem umliegenden Häusern und Straßen nichts merkt.

Über die Straße gehen wir in Murnis Warung, der eine Überraschung parat hält. Im Innen kann man diverse Treppen hinabsteigen und gelangt auf mehrere Terrassen, die im hinter dem Haus liegenden Flußtal liegen. Die gegenüberliegende Seite des schmalen Tals gleicht einer grünen Wand aus Dschungelpflanzen, das schnell servierte Essen schmeckt unglaublich gut und nach Einbruch der Dunkelheit, der hier in Äquatornähe recht früh und schnell von statten geht, fliegen hunderte von Fledermäusen durchs Tal.

Nach einem kräftigen Regen auf der Rückfahrt zeigen Peter und Jutta mir den Teil von Bali, den ich eigentlich nicht sehen wollte: Die Tourimeile in Kuta mit den Souvenirläden (Nepp), Discos und hübschen kleinen Balinesinen, die Ihre Dienste anbieten, und natürlich mit dem Denkmal der dortigen Anschläge 2002.
Also wieder weiter – ab ins nächste Warung, den kleinen Hunger verscheuchen. Und wieder mal super Essen für kleines Geld, 30.000 für drei Personen, umgerechnet also 4,50 €.

Auf dem Weg in die Villa wollen Jutta und Peter noch rasch Arak kaufen, indonesischen Reisschnaps. Bei Circle K, dem Balinesischen REWE, gibt es keinen, aber die Einheimischen vor der Tür sagen Peter, wo er welchen bekommt. Als Peter aus besagtem Laden kommt lacht er und hält eine Tüte in der Hand, die ausieht, als hätte er im Zoogeschäft einen unsichtbaren Goldfisch gekauft – hier wird der Reisschnaps also im Beutel verkauft.

Naja – der Rest des Abends ist schnell erzählt: Der Beutel wurde stetig leerer und heute früh stellte sich raus, das ich scheinbar eine Arak-Allergie habe. Dementsprechend ruhig war auch der heutige Tag – davon später mehr.

Jetzt lediglich noch ein paar Balinesische Besonderheiten: Fährt man mit dem Auto geradeaus über eine Kreuzung macht man den den Warnblinker an – schließlich will man weder links noch rechts abbiegen – bleibt man hingegen mit dem Wagen liegen, steckt man als Zeichen für den fahruntüchtigen Untersatz einen grünen Zweig ans Auto. Und auch der TÜV scheint hier eher Alibi Funktion zu haben. Peter erzählte mir, dass seinem hiesiger „Adoptivvater“ vom TÜV auferlegt wurde, die Rostflecken am Wagen zu überstreichen und Gurte einzubauen – allerdings nicht mit echten Gurtschlössern sondern diesen billigen Plastikverschlüssen, die man sonst an Rucksäcken hat.
Auch schön.

2 Kommentare zu “Arak-Allergie”

  1. Max

    Mann, es scheint echt schön zu sein! Schade, dass ich nicht mitkommen konnte. Das holen wir mal nach, ja?

  2. peter

    ich hab da nix gegen – ich möchte sowieso noch mal herkommen.

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