Königsnepp

Um viertel nach sechs hat mich einer der Ortsansässigen Hähne geweckt und ich bin nicht nur aufgewacht, weil es in meinen Ohren etwas vorwurfsvoll klang (sicher kannte er das Hühnchen von gestern), sondern auch weil draußen das erste Licht des Tages zu sehen war. Nachdem ich die Türen meiner Hütte geöffnet hat, wurde ich von einem traumhaften Sonnenaufgang über dem Meer und einer Kanne mit heißem Wasser, einem Teebeutel, einer Zuckerdose und einer Tasse auf meiner Veranda begrüßt. Sollte so nicht jeder Tag beginnen?

Gegen halb acht dann einen Bananenpfannekuchen gefrühstückt und entschieden, das heute kein guter Tag ist, um die Inselrunde fortzusetzen, sondern der perfekte Tag um hier zu blieben. Also kurz an der Rezeption bescheid gesagt und dann eine Runde im Reiseführer geblättert, was ich mir heute so ansehen könnte. Die Wahl fiel auf Amlapura, wo der alte Königspalast steht. Und als Strecke entschied ich mich für den Weg an der Ostküste entlang, den ich gestern ja verfehlt hatte. Vorher noch kurz zwei Dörfer weit in die andere Richtung, wo man nach Auskunft eines Mitarbeiters ins Internet kommt. Ich glaube das war das erste mal das ich einen Router gesehen habe, der mit 5 Rechner verbunden ist und dabei über Modem läuft. Naja, für Mail und Blog reicht es ja. 20 Minuten später – Abfahrt.

Hatte ich gestern geschrieben, das die Straße, die ich nach Amed fuhr, ziemlich schlecht war? Falls ja, nehme ich das hiermit zurück – wirklich schlechte Straßen kenne ich erst seit heute. Die knapp 50 km an der Küste entlang hätten vom Blick und von den Eindrücken her nicht schöner sein können, aber die Straße war der Horror. Teilweise nicht mal 2 Meter breit und dennoch mit Mittelmarkierung versehen, teilweise mit Fußball großen, ach was, Fußballfeld großen Löchern, die nur notdürftig mit reichlich grobem Schotter geflickt wurden, teilweise so steil, das ich, je nach Richtung, das Gefühl hatte Steigeisen anlegen zu müssen oder Angst hatte, vorne über den Lenker zu fliegen. Die Krönung allerdings war eine Brücke, die ein ca. 15 Meter breites, malerisches Tal überquerte und nur aus Holzbalken bestand, die lose auf einer Stahlkonstruktion lagen, so das die Zwischenräume mal 1cm aber auch mal 20cm breit waren. Während ich ein paar Fotos der Brücke machte, hielt ein Einheimischer an und stellte sich als Rocky vor. Es folgte die typischen Fragen „Where you come from?“, „Whats your name?“, „How long do you stay?“ und „Where do you stay?“, die ich in den letzten 6 Tagen schon gefühlte 100mal beantwortet habe. Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, das jeder Balinese diese Fragen in der Grundschule lernt, wahrscheinlich gibt es sogar ein eigenes Fach dafür. 3 Smalltalk Minuten später fragte ich, wann die nächste Tankstelle kommt, da die Nadel der Tankuhr meines Mopeds sich aufgrund der vielen Steigungen schon gefährlich nah am roten Bereich befand. „Ohhhh, its right here, right here“ sagt Rocky und bot sich an vorzufahren.

Natürlich fuhr er schneller als ich, aber auf Rennen mit Einheimischen hab ich mich von Anfang an nicht eingelassen und dabei soll es auch bleiben. Mit einigem Vorsprung erreicht er ein Regal, das am Wegesrand steht. In den Tagen die ich hier bin hatte ich schon hunderte solcher Regale gesehen, aber von alleine wäre ich nicht darauf gekommen, das in den Flaschen oder Plastikbeuteln, die in diesen Regalen stehen oder hängen, Benzin drin sein könnte. Ich ließ mir eine Literflasche in den Tank schütten was von der Tanknadel dankend zu Kenntnis genommen wurde.

Kurz vor Amlapurar liegt Puri Taman Unjung, der ehemalige Königspalast, mit seinen Wassergräben. Auf der großzügigen Parkplatz stehen lediglich ein Minivan und zwei Mopeds, das kenne ich schon von Goa Lawah, der Fledermaushöhle. Die echten Touristenattraktion sind verwaist, lediglich die Ballermann-ähnlichen Flaniermeilen wie in Legian oder Kuta, wo auch die Bombenanschläge waren, sind noch halbwegs gut besucht. Das Land hatte sich mehr und mehr auf den Tourismus eingestellt, und wurde daher von den Anschlägen hart getroffen. Nachdem ich meinen Sarong übergezogen hatte und die ersten Schritte im Palast gemacht hatte, kam von irgend woher ein Einheimischer, der ohne zu fragen anfing, mir eine Führung zu verpassen. In mittelschlechtem Englisch aber durchaus nett erklärte er mir, wer wann was gebaut habe und warum. Eine knappe Stunde später waren wir wieder draußen und er sagt völlig unvermittelt zu mir „100.000.“. Ich begann zu lachen und sagte er solle mir bitte mal einen fairen Preis machen. Er sagte, er wolle 50.000 und ich entgegnete das verächtliche „na“ das ich mir bei Peters Basarauftritten abgeschaut hatte und hatte ihn schnell auf 20.000. Obwohl ich wusste, dass 10.000 ein normaler Preis wäre, habe ich ja gesagt, auch weil ich wusste, dass er wohl nicht mehr so viele Führungen am Tag macht.

Ab Amlapura fahre ich die selbe Strecke nach Amed wie gestern, achte auf Hühner und suche den Straßenrand nach Frauen ab, die auf dem Boden hocken und ein paar Schalen sowie einen sehr langen und schmalen Grill neben sich stehen haben – einen Straßen Warong an dem es Sate gibt. Kurz vor der Küste werde ich fündig, halte an und genieße eine Portion Rindersate, verpackt in ein Blatt Papier. Außer einem schnorrenden Hund leistet mir vorerst niemand Gesellschaft, erst als ich ein Foto machen möchte kommt ein Bemo, ein öffentlicher Minibus, und stellt sich mitten vor die Optik.

Weiter ins Good Karma wo der Strand auf mich wartete – ist ja Urlaub. Die Taucherbrille (mit eingebauter Brille) ausgepackt und ab ins Meer um eine Muschel für die Familie zu bergen. Kaum habe ich mich abgetrocknet, wird mir schon wieder eine Massage angeboten, die ich nach der gestrigen Erfahrung gerne annehme. Eine gute Stunde lang nimmt mich ein winzige aber kräftige Balinesin unter Ihre Fittiche und walkt mich durch. Dann unter die spartanische Dusche, die zwar kein warmes Wasser bietet, was aber bei den hiesigen Temperaturen völlig egal ist – selbst das kalte Wasser ist noch warm genug.

Frisch geduscht ein paar Zeilen getippt und nun fahre ich rüber ins nächste Dorf um kurz ins Internet zu gehen und einen Happen zu Essen – mal sehen, was es dort so gibt.

Vorher noch ein Wort zu den Balinesischen Namen: Anfangs hatte ich mich gewundert, das es soviel Balinesen gibt, die Made heißen. Dann aber wurde mir erklärt, das man die Kinder hier quasi mit ihren Namen durchnummeriert: Das erste Kind heißt Wayan, das zweite Made, es folgt Nyoman und schließlich Ketut. Wer sich mehr als vier Kinder gönnt fängt dann wieder von vorne an. Man kann sich also vorstellen was passiert, wenn mehrere Balinesen Zusammenstehen und man “Made” ruft. Zu den Namen hatte mir Peter noch mehr erklärt, aber ich konnte mir das leider nicht alles merken. Vielleicht denke ich daran ihn morgen zu fragen, denn mein Plan ist, ihn und Jutta morgen in Singaraja zu besuchen. Mal sehen.

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