Warung Capcay Ibu Desak

Es mag langweilig klingen, aber gestern Abend hab ich wieder Sate-Spieße gegessen, gleich gegenüber des Warung Telkom Ladens, von dem aus ich den gestrigen Eintrag abgesetzt habe. Ein kleiner netter Laden mit Gamelan Musik (vom Band, aber in toller Tonqualität und echt laut). Wer jetzt an eine Mulitplayer LAN denkt, liegt natürlich falsch. Gamelan ist die traditionelle Musik der Balinesen, vielleicht sogar der Indonesen, die hauptsächlich mit Instrumenten wie Gongs, Metallofonen und Glockenspielen gespielt wird. O es sich bei dabei allerdings um Gamelan Legong, also einem Ensemble mit nur wenigen Spielern, oder um Gamelan Gong handelte, bei dem manchmal 30 bis 40 Spieler teilweise auf bis zu 80 Instrumenten spielen, konnte ich jedoch nicht raushören. Zum Nachtisch dann einen Früchteteller mit Annanas und Papaya – was für ein Genuß, denn hier reifen die Früchte im Gegensatz zu Deutschland ja nicht In Überseekisten oder irgendwelchen Kammern. Danach fuhr ich wieder ins Good Karma um in der Hängematte liegend noch etwas zum Rauschen der Wellen zu lesen – selbstredend nicht ohne meinen Körper vorher in Autan zu tauchen.

Um 6 Uhr aufgewacht, aufgestanden und aufgemacht zum Strand, Sonnenaufgang über dem Meer ansehen. Dann den Tee genossen, der mittlerweile auf meiner Veranda angekommen war und angefangen meine Sachen zu packen. Kurzes Frühstück – Pfannekuchen mit Honig und „Coffee Milk“, eine Tasse Balinesischen Kaffee (also mit reichlich Kaffeepulversatz) und dazu ein Schapspinchen mit einem weißlichen Pulver. Geht so …. Dann aufs Moped und los Richtung Singaraja.

So schön die Strecke auch wieder war, die 110 Kilometer waren recht anstrengend – gute 2,5 Stunden hab ich gebraucht, obwohl ich mich nicht wirklich beeilt habe. In Sinaraja wollte ich mir als erste einen Tempel angeschaut, der im Reiseführer hochgelobt wurde. Am Eingang den Sarong übergestreift und die Treppen hoch, doch die 3 Tempeltore waren zu. Da kam ein Balinese vorbei – ohne Sarong, und bat mich rein. Komisch, im Reiseführer stand auch, dass man ohne Sarong niemals in den Tempel darf. Scheint eine Touristenregel zu sein. Dann weiter in Richtung Lovina, ein Dorf kurz nach Sinaraja, in dem Jutta und Peter wohnen. Nach einem kurzen Telefonanruf erklärt mir Peter, wo das Spa liegt, in dem er sich gerade massieren läßt. 5 Minuten später finde ich ihn und wir fahren gemeinsam zu der Balinesischen Famile, die ihn adoptiert hat.

So herzlich bin ich noch nirgends in Bali empfangen worden. Vater, Mutter und Tochter, die beiden Brüder sind nicht da, begrüßen mich mehr als freundlich. Sofort werden wir an den Tisch gebeten und mit reichlich Essen versorgt, Es gibt natürlich Nasi (Reis) mit Tempe Manis (fermentierte Sojybohnen mit Chilli, Knoblauch, Salz und Zucker), Bee Siapmesisit (gekochtes Hühnerfleisch das klein gezupft wird und dann mit Knoblauch, Ingwer, Chilli, Salz, Zitronengras, Charlotten und Kemirinüssen (ähnlich Makadamianüssen) gebraten) und Babi Kecap (Schweinefleisch mit süßer Sojasoße und zig Gewürzen). Eigentlich war ich dann schon satt, aber es ging weiter – wenn auch „nur“ mit Früchten: Schlangenhautfrucht, Golgbananen (winzig klein) und – der Hit überhaupt – Juice Sirsak (Stachelannonensaft). Danach nur Sumping, Reismehlkuchen mit Früchten in Bananenblättern gegart.
An dieser Stelle also die dringende Empfehlung an alle, die irgendwann mal in der Nähe sind: In Lovina von der Hauptstraße in die Jalan Annturan abbiegen (von der Hauptstraße gesehen auf der Bergseite) und dort bei Nummer 25 ins Warung Capcay Ibu Desak Der Hammer in Punkto Essen auf Bali bis dato.

Am Nachmittag sind wir dann wieder zu dritt unterwegs, diesmal zu den Wasserfällen von Gitgit, die oberhalb von Sinaraja in den Bergen liegen. Auf dem Rückweg in das Cafe einer Deutschen die Peter und Jutta kennen, die aber leider gerade heute nicht da war. Dann kurz auf einen Basar. in dem leider schon die meisten Läden geschlossen waren und dann weiter zum Strand. Sehr komisch: dort gibt es eine Straße, an der man Eintritt zahlen muss, um an die Strandpromenade zu kommen, an der zig kleine Büdchen mit verschieden Leckereien stehen. Die Erklärung dafür liefert Peter: Das ist der Heiratsmarkt, an dem sich die ABGs (Anak Baru Gedes) treffen, die Kinder, die gerade groß werden, treffen. Wir setzten uns und Peter bestellt, was er mir vorher schon angekündigt hatte: Avocadosaft. Ich wollte es nicht glauben, aber das Zeug schmeckt spitze. Es ist mit Schokoladedosenmilch gemischt und echt lecker – wer hätte das gedacht. Dazu schauen wir uns an, wie die Sonne, die ich heute früh an der Ostseite aufgehen sah, im Westen hintern den Bergen von Java untergeht.

Später suchen wir mir noch kurz eine Unterkunft, bevor wir auf meinen besonderen Wunsch zum Abendessen wieder zum Warung Capcay Ibu Desak gehen. Die Auswahl ist diesmal noch etwas größer, der Geschmack ebenso gut wie mittags, weshalb ich mir auch gut die doppelte Portion gönne. Danach fröhliches zusammensitzen, trinken, reden und lachen. Leben ist schön.

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