Zurück zum Start

So, Rundreise beendet. Nach gut 400 Kilometern mit der Vespa bin ich wieder Kerobokan angekommen. Und auch vom heutigen Tag gibt es wieder einiges zu berichten: Nach ein dürftigen Frühstück in meiner Bliebe in Singarraja – „You want Toast with Jam or Toast with honey?“ – bin ich mit Jutta etwas am Strand entlang gelaufen und hab Glück gehabt. KA ob ich es schon erwähnte, aber irgendwann letzte Woche habe ich meinen Glücksstein verloren, einen kleinen runden weisen Stein, den mein großer Sohn mir mal geschenkt hat und den ich seither in der Hosentasche bei mir trug. Der Verlust hat mir einige Tage zu schaffen gemacht, aber heute ist das Glück zurückgekehrt, wenn auch in anderer Form.

Jutta, die wie schon erwähnt seit Jahren nach Bali fährt und diesmal satte 3 Monate hier bliebt, sucht schon lange nach einem „Mata Hari“, einem ….. ja, was ist das eigentlich? Irgendwas zwischen Muschel und Stein. Auf jeden Fall bin ich mit dem Vorsatz an den Strand gegangen, einen gleichwertigen Ersatz für den Glücksstein zu finden. Und der erste, kleine weise Stein, der mir in der Brandung – nicht etwa am Strand – ins Auge fiel war: ein Mata Hari. Jutta war glaube ich etwas neidisch, verständlicherweise, freute sich aber mit mir darüber, schließlich hatte sie mitbekommen, wie geknickt ich nach dem Verlust des Glückssteins war, von der Suchaktion in Peters Jeep mal ganz abgesehen.

Bestens gelaunt sind wir zurückgekommen zu Juttas Bungalow, wo kurze Zeit später auch Peter aufschlug. Nach ein paar Minuten rumsitzen faltete ich mich wieder auf die Rückbank des kleinsten Jeeps, der jemals das Fließband eines Autoherstellers verließ, und wir fuhren zu den Wasserfällen oberhalb von Sinaraja. Die geschätzten 800 Meter vom Parkplatz zu den Wasserfällen waren der bekannte Spießroutenlauf an den Ständen der Souvenirhändler vorbei. Die ca. 50 Stände, die auf dem Weg lagen, lassen sich in drei Gruppen aufteilen: Sarongs, Gewürze oder Holz- und Bambuszeug. Sprich: schon nach drei Ständen hat man das gesamte Angebot gesehen, was die Verkäuferinen der anderen Ständ natürlich nicht davon abhält, ihre Waren feil zubieten, als wäre dies der einzige Ort der Welt, an denen man die jeweiligen Dinge kaufen kann. Auch wieder einer dieser Situationen, in der Peters Balinesisch Kenntnisse sehr hilfreich waren. Nach der Hälfte der Strecke hatte ich das wichtigste Wort gelernt, „Grit“, ein Balinesischer Ausdruck für „pleite“, den wahrscheinlich kein normaler Tourist kennt und der dadurch eine durchschlagende Wirkung hat.

Die Wasserfälle an sich waren durchaus imposant, die Macht, mit der das Wasser den Berg runter knallt war tatsächlich spürbar. Die Wasserfälle erzeugten zum einen eine ziemliche erfrischenden Sprühnebel, zum andern aber vor allem einen unglaublichen Wind. Mindestens ebenso sehenswert ist jedoch die Vegetation dort oben: Bananenstauden, Nelkenbäume, Vanillepflanzen, Kakaobäume und vieles mehr. Auf dem Rückweg nach Sinaraja machten wir kurz halt in einem Warung, der einer Bekannten von Peter gehört und in dem die Tochter von Peters Gastfamilie arbeitet. Einen Schokomilchshake später ging es weiter auf den Markt von Sinaraja. Die Märkte hier bestehen nicht wie bei uns aus Ständen auf einem Platz, sondern sind zumeist in großen, mehrstöckigen Häusern, die aus einer Vielzahl enger, unübersichtlicher Gänge besteht, in denen sich ein überfüllter Stand neben dem anderen befindet. Nachdem ich dort noch ein kleines Mitbringsel besorgt hatte rief Peters Gastvater an und vermeldete, dass wir unverzüglich zum Warung kommen sollten, da das Mittagessen fertig sei.

Unterwegs hielten wir noch kurz bei einem Großhändler für alles, bei dem Peter noch rasch 3 Stangen Zigaretten besorgte – zum Stückpreis von 70.000, also für umgerechnet für 4,80€. Dazu muss man allerdings sagen, dass Peter eine hier sehr beliebte Marke raucht, deren Name ich aus Angst vor brutalen Schreibfehlern hier mal unterschlage. Es sind dünne weise Nelkenzigaretten, die einen ganz eigenwilligen Duft haben. Der Großhändler hatte den wohl chaotischsten Laden, den ich je sah. Auf zwei Stockwerken verteilte sich ein buntes Durcheinander aus verschiedensten Kartons. Das man dort überhaupt den Überblick behalten kann, was wo steht, ist mir völlig schleierhaft.

Das Mittagessen im Warung Chacay Ibu Desak war so spitze wie gestern. Dann ein halbwegs schneller und schmerzloser Abschied von der Familie, die mich scheinbar auch adoptieren wollte, alle Klamotten auf dem Moped verstaut und ab auf die Straße Richtung Denpasar um zurück nach Krobokan zu fahren. Den erste Teil der Strecke kannte ich, da er an den Wasserfällen vorbei führte. Am Wegesrand stehen ein paar Warungs, mit denen etwas besonders auf sich hat, wie Peter mir zuvor erklärt hatte: Dort kann man etwas trinken und essen und darf dabei die Mädchen, die dort arbeiten, anfassen. Auch zu den Cafes, die man auf der Strecke von Sinaraja nach Lovinia passiert, hat er mir etwas erzählt: das sind keine Cafes, wie wir sie kennen – sie alle haben Hinterzimmer in denen Dienstleitungen angeboten werden, die weit über den Service in Deutschen Cafes hinausgeht. Die dunklen Seiten von Bali eben

Die Vulkanberge, die sich auf der Nordseite der Insel befinden, zu erklimmen, hat durchaus Spaß gemacht. Oftmals haben die Balinesen es ja nicht so mit dem Straßenbau. Aber wenn es um Serpentinen geht, geben sie sich alle Mühe. Jede engere Biegung hat gewisse Steilkurven Qualitäten, die man mit dem Moped gerne ausnutzt. Und so war auch die Abfahrt auf der anderen Seite durchaus reizvoll.

Erwähnenswert ist auch noch eine scharfe Linkskurve nach den beiden Bergseen im Norden. Peter wies mich daraufhin, dass ich dort unbedingt auf die Tiere auf der Stange achten solle. Was mich dort erwartete war ein Einheimischer, der zwei Flughunde, eine Riesenechse und eine Python zur Schau stellt. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen anzuhalten, die Tiere zu fotografieren und den Flughund selbst mal in die Hand zu nehmen – wann hat man schon mal so eine Gelegenheit. Und bevor jetzt die Tierschützer aufschreihen – keines der Tiere war angekettet oder festgebunden, lediglich die Schlange lag in einer geräumigen Kiste. Und wer diese Zurschaustellung dennoch verurteilt, der sollte sich bitte erstmal die Lebensumstände der Einheimischen ansehen, die solcherlei Verdienstmöglichkeiten meiner Meinung nach durchaus rechtfertigen.

Nach Ankunft in der Villa Dewani in Kerobokan kurz geduscht, eine Schlangenhautfrucht gegessen und weiter in die nächste Stadt, in der ich den Sushiladen aufsuchte, den ich letzte Woche schon genoss. Was für eine Wohltat. Und danach ins Internetcafe, um das hier zu bloggen. Und jetzt nur noch ein Tag, um etwas zu erleben – Übermorgen geht’s zurück nach Frankfurt zur geliebten Familie.

2 Kommentare zu “Zurück zum Start”

  1. Max

    Fernweh!

  2. Blogwinkel » Blog Archive » Glück zurück

    [...] gibt’s …. der hier verschollen vermutete Glückstein wurde von einem autorisierten Suchtrupp in einer Plastiktüte [...]

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