Kein TAUSSendsassa

Eine sehr undurchsichtige Sache ist das mit diesem Herrn Jörg Tauss. Kurz mal die Fakten aufgelistet: Am Donnerstag den 05.03. hob der Immunitätsausschuss des Bundestags seine Immunität auf, durchsuchte direkt im Anschluss seine Büro- sowie Privaträume und gab der Presse bescheid – was ich bei solch einer Anschuldigung gegenüber einem Politiker für absolut selbstverständlich halte. In seiner Berliner Wohnung wird man fündig – laut Staatsanwaltschaft wird Material sichergestellt, dass “eindeutig gegen einen Zusammenhang mit seiner Abgeordnetentätigkeit” spricht.
Tags drauf legt Jörg Tauss seine Ämter nieder, er ist/war Generalsekretär der baden-württembergischen SPD und Sprecher der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion, zudem hat er eine Sitz im Fraktionsvorstand. Dies tut er „Um auszuschließen, dass meine Partei und Fraktion durch die Ermittlungen belastet werden.“

Ich muss kein Wort darüber verlieren, was ich über das Thema Kinderpornos denke, und da ich Politiker grundsätzlich nicht das größte Vertrauen entgegenbringe, hab ich mal hier und da und dort etwas geklickt und gelesen. Hier nun ein paar völlig subjektive Gedanken darüber, was mir dabei alles komisch vorkommt:

Kurz nach Bekantwerden der Vorwürfe erklärte Tauss, er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Da werde ich schon stutzig: Er müsste doch wissen, was er so in seiner Wohnung hat, respektive was sich in seinem Besitz befindet:
In seiner Stellungnahme vom 11.03. beschreibt er das in seinem Besitz befindlich Material wie folgt:

„…VHS-Videokassetten und Datenträger, wobei letztere aufgrund der technischen Ausstattung meiner Dienstwohnung teilweise allerdings nicht lesbar waren.“

sowie

„mehrere Datenträger, die zwar wiederrum nur teilweise lesbar waren, aber offensichtlich einschlägig gewesen sind“.

Der „gute Mann“ weiß also, dass sich einschlägiges Material in seiner Wohnung befindet, kann aber den Vorwurf des Verdachts der Kinderpornografie ihm gegenüber nicht nachvollziehen? Dazu gehört schon eine gute Portion Blauäugigkeit. Oder etwas anderes.
Zudem: Nur sechs Tage nachdem er die Vorwürfe nicht nachvollziehen konnte, schreibt er in seiner Stellungnahme

„… Die Staatsanwaltschaft hat bei mir kinderpornografisches Material gefunden.“

Klingt für mich nach der typischen Pawlowschen Politiker-Reaktion, der er da am Donnerstag der vergangenen erlegen ist „Erstmal leugnen.“

Den Fakt, das er sich einerseits als twitternder (seit Feb. 09), flickrder (seit Feb. 09) und auf facebook vertretender Politiker (seit Feb. 09)versteht, der sich damit brüstet „der erste MdB gewesen sein, der im Plenarsaal bei einer Debatte twitter & facebook angesprochen hat“, andererseits mit mehreren Datenträgern nicht zurecht kommt, will ich mal außen vor lassen.

Ebenso geh ich mal nicht näher darauf ein, dass auch ich nicht wirklich die Notwendigkeit dafür sehe, dass man als medienpolitischer Sprecher der SPD immer ein paar Kinderpornos zur Hand haben sollte – und seih es nur, um zu wissen, worüber man spricht.
Dazu passend ist auch von einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zu hören, dass das in der Berliner Wohnung von Tauss sichergestellte Material “eindeutig gegen einen Zusammenhang mit seiner Abgeordnetentätigkeit” spricht. Wäre ja auch noch schöner.

Lesen wir mal weiter: in seiner Stellungnahme vom 11.03.09. äußert sich Tauss wie folgt über seine erste Befragung am 5.03.:

„Vor mehr als einem Dutzend mir Großteils unbekannten Menschen, wurde ich mit dem Vorwurf des Besitzes von Kinderpornographie konfrontiert.“

das „einem Dutzend“ ist dabei unterstrichen. Wäre es ihm lieber gewesen, das er nur vor ein paar guten Bekannten ausgesagt hätte? Oder hat er ein Problem damit vor mehr als zehn Menschen zu reden? Mir kommt das vor, als würde da jemand versuchen, sich als ungerecht behandelt darzustellen.

Gibt es so was nicht öfters: zuerst wird abgestritten, dann wird zugegeben was sich nicht leugnen lässt und versucht das ganze mit Erklärungen zu untermauern, die so glaubhaft wie möglich klingen. So wundert es nicht, das auch in diesem Falle aus den anfänglich angeblich „nicht nachvollziehbaren Vorwürfen“ der folgende Satz wird (Stellungnahme 11.03.2003):

„Ja: Ich habe Mist gebaut. Ich habe mich – eventuell unter Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften – in einen stinkenden Schweinestall begeben, um ihn auszumisten.“

Plötzlich wird eingesehen, dass man gegen das Gesetz verstoßen habe könnte.

Und das alles nur um (Stellungnahme 11.03.2003)

„Insbesondere einen Beleg für meine These zu finden, dass die Verbreitung von Kinderpornographie mit Hilfe des Internet zunehmend durch andere Verbreitungsformen verdrängt wird.“

Selbst wenn jede seiner Silben wahr sein sollte: da glaubt ein Politiker, er könne zwischen Plenarsaal und seinem Wahlkreis 273, Karlsruhe- Land, schnell mal einen Kinderpornoring ausheben? Entschuldigung, aber hat der Mann nichts Besseres zu tun? Kann er sich nicht denken, dass es Menschen gibt, die mit dieser Aufgabe besser zu betrauen wären? Hält er sich für solch einen Tausendsassa, oder wie ist ein Satz wie dieser zu erklären (Stellungnahme 11.03.2003):

„… natürlich hätte die von mir erhoffte Entdeckung und „Sprengung“ eines der immer wieder durch die Öffentlichkeit geisternden „Kinderpornoringe“ meinem Bekanntheitsgrad nicht gerade geschadet.“

Alles in allem liest sich die 8-seitige Stellungnahme vom 11.03. in meinen Augen wie ein mühsam zusammen gestrickter Erklärungsversuch. Mehrmals wird darauf hingewiesen, das das Material in Zusammenhang mit seiner Arbeit als Medienpolitischer Sprecher der SPD steht, damit, dass es ihm und den Nachweis ging, dass das Internet nicht mehr der Hauptkanal für die Verbreitung von Kinderpornografie sei. (was liegt da näher als das Verhalten, das Tauss in seiner Stellungnahme beschreibt, nämlich sich

„… über im Fernsehen beworbene pornografische Telefonhotlines und mit Decknamen wie „Werner“ dieser „Szene“ zu nähern versucht“.

Wäre ich böswillig, würde ich sagen, dass Herr Tauss sich gerne mal Kinderpornobildchen anschaut und sich diese, nachdem das Internet als „vom Staat beobachteter Hauptversorgungskanal“ ausschied, über andere Kanäle besorgt hat. Da ich aber nicht böswillig bin, werde ich die Geschichte um Herrn Tauss einfach mal weiter verfolgen und interessiert beobachten, was da noch so kommt.

Ein Kommentar zu “Kein TAUSSendsassa”

  1. Zahlte Tauss fuer Kinderpornos mehr als behauptet? »

    [...] Vorwürfe gegen den Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss im Kinderporno-Skandal: Nach FOCUS-Informationen soll er  eine größere Summe (1.000 Euro) für [...]

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