Ein Problem weniger, drei Probleme mehr.

Nachdem ich gestern auf – gelinde gesagt – etwas schlechte Laune auf der Baustelle gesorgt habe, weil ich mich nicht mit einer Behelfslösung beim Einbau der Entwässerungsrinne zufrieden stelle wollte, haben sich die Herren Bauarbeiter heute früh erstmal recht wortkarg den noch anstehenden Betonarbeiten gewidmet. Nachdem das halbwegs gut lief … …. – von zwei neuen Macken in meiner frisch gemachten Fassade mal abgesehen – waren sie nach der Frühstückspause wieder besser gelaunt und haben sich um die Entwässerungsrinne gekümmert. Sprich: Sie haben 134 Kilo schwere Platten wieder rausgehoben, die Abwasserleitung problemlos etwas nach unten verlegen können – Gefälle hatten wir ja genug – und die Platten wieder eingebaut.

Und siehe da, schon passt der Entwässerungskasten – ein Problem weniger. An dieser Stelle hätte ich misstrauisch werden müssen, wann funktioniert schon mal etwas reibungslos?

Gemeinsam haben die drei dann mit dem Aushub für die Rinnen begonnen, die rechts und links an den Kasten angeschlossen werden, haben an der einen Seite die ersten beiden Meter eingesetzt und dann mit der echt echt großen Trennscheibe, die sie dabei haben, die dritte Rinne auf die richtige Länge zugeschnitten. Weil die Anschlüsse dabei nicht so recht passen wollten haben sie auch an den Stirnseiten etwas rumgeflext – und da hab ich mich dann schon gewundert.

Also ging ich mal wieder raus um zu kontrollieren ob auch alles richtig läuft und dabei schlechte Laune zu verbreiten. Als erste fiel mir auf, das der Vorarbeiter – übrigens immer gut zu erkennen: der mit dem Autoschlüssel – nicht da ist, ebenso wie der Wagen. Als zweites fiel mir auf, dass die vie rinnen, die och eingebaut werden müssen auch weg sind. Auf Nachfrage sagt man mir, dass er die rinnen leider umtauschen muss. Sie haben 7 Rinnenstücke mit einem gleichmäßigen Gefälle in eine Richtung gekauft, gebraucht werden aber 3 Rinnenstücke mit einem Gefälle in die eine und vier Rinnestücke mit einem Gefälle in die andere Richtung.

Ich nutze also die Gelegenheit um mir die bereits gelegte Rinne genauer anzusehen: die Oberkante ist exakt auf Höhe der Platte – toll. Aber innen fällt mir etwas auf: An den Stellen, an denen die Rinnenteile aufeinander treffen, gibt es eine Stufe. Leider in die falsche Richtung, nämlich in die, in die das Wasser nicht laufen möchte: bergauf. Das sehe ich mir genauer an. Die Abfließrichtung auf den Rinnenteilen ist richtig. Und die Nummerierung der Rinnenstücke ist fortlaufend. Aber irgendwas stimmt nicht. Ich frag mal das Internet. Drölfzehn Klicks später bin ich klüger – klüger als vorher und klüger als die Terrassenbauer, deren täglich Brot das hier doch sein sollte: Die Nummerierung der Rinnenstücke verläuft nicht von innen (dem Entwässerungskasten) nach außen, also von Nummer 0 bis 10, sondern andersrum, von 10 bis 0.

Also wieder raus und den verblieben Jungs erklärt, wo das Problem ist. Dabei auch so beiläufig wie möglich erwähnt, dass die gesamte Rinne laut Einbauanleitung nicht genau auf Höhe der Platten liegen soll, sondern 3-5mm tiefer. Und zwischendurch entdeckt, dass der Vorarbeiter, scheinbar als einziger befugt den riesigen Trümmer von Trennschneider zu bedienen, beim Absetzten des selbigen mal locker eine Kerbe in einer der Platten (134 Kilo, hatte ich das erwähnt?) geritzt hat. „Austauschen bitte“.

Nach vielen verständnisvollen Blicken der beiden Arbeiter bekomme ich den hilfreichen Hinweis, das müsse ich mit dem Vorarbeiter besprechen. 10 Minuten später fährt der Laster vor, 5 Sekunden später stehe ich auf der Terrasse und mache meinem Ärger Luft. In seiner Terrassenbauerehre angegriffen höre das Gebetsmühlenartig wiederholte „Isse keine Proläm“, er „rufe Cheffe anne“. Jetzt sitze ich hier, warte auf das Klingeln des Telefons und versuche meinen Puls auf 140 zu halten um ihm mit der gebührenden Laune über den Status Quo zu informieren.

Und nebenbei sehe ich, dass der Vorarbeiter diesmal vier 0 Rinnen gekauft hat. Übrigens wurde diese Rinnen, die sie gestern früh bzw. gerade eben im Baumarkt geholt haben, letzte Woche Donnerstag noch als Grund vorgeschoben, dass man noch nicht weitermachen kann – „Bestellte Rinne sind noch nicht da.“

UPDATE: einen demütigen Rückruf von “Cheffe”, einen hörbar geplatzen Kragen und gefühlte 12 Entschuldigungen später werden alle Rinnen aufgeladen, der Entwässerungskasten etwas tiefer gesetzt und die vom Trennscheiber verletzte Platte ausgetauscht. Morgen um 7 heißt es also “auf ein Neues”. Bin schon gespannt wie die Laune sein wird – morgen wollen/müssen die Jungs fertig werden.

2 Kommentare zu “Ein Problem weniger, drei Probleme mehr.”

  1. Blaster

    Sehr schön…… Das mit den Rinnen ist aber auch zu kompliziert: Oben grade und unten, wo das Wasser ist, schief…. Ungefähr so kompliziert wie ein nummeriertes Puzzle oder Malen nach Zahlen. Umso erstaunlicher, dass die Knaben das kleine Einmaleins der Entwässerung offensichtlich total verpennt haben. Viel Spass bei der Diskussion mit dem Scheffe und hoffentlich weiß der wie’s geht.
    Und danke für den manuellen Feed…

  2. Frederik

    Vielleicht dachte der Vorarbeiter aber auch einfach: Mensch, auf der Rinne steht mein Spitzname. Cool. Die nehm ich mit!”

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