Lego Kiss Konzert


Gegen Mittag zog es langsam zu. Denn Nachmittag über regnete es ab und zu ganz leicht — nicht schlimm, aber sicher nicht das Wetter, dass ich mit für diesen 13. September 1980 gewünscht hatte: Den Tag meines ersten Konzertbesuches überhaupt. Ich war gerade erst 12 geworden, zusammen mit meinem 2 Jahre älteren Bruder bei Papa in Frankfurt und hatte diesem Abend seit Wochen entgegen gefiebert.
Je näher der Abend rückte desto aufgeregter wurden wir – und desto kritischer stand mein Vater dem Konzertbesuch gegenüber. Es muss so 6 Uhr gewesen sein, als er ein letztes Mal hartnäckig versuchte es uns auszureden. “Jungs, das ist ein Open Air Konzert. Bei dem Wetter werdet ihr klitschnass und holt euch da den Tot. Wollen wir nicht lieber was anderes machen – ins Kino oder so?” Natürlich wollten wir nichts anderes machen, aber er saß am längeren Hebel. Und so ließen wir uns auf Kompromiss ein, das er uns nur dann aufs Konzert lässt, wenn wir uns was “Ordentliches” anziehen.
Um 7 fuhr er uns dann rüber zum Rebstockgelände – zwei gelbe Jungs auf der Rückbank seines T-Modells. (Das Webrocker ein paar Stunden vorher da war um Plakate zu klauen besorgen, hab ich auch erst jetzt erfahren).

In der Nähe vom Eingang ließ er uns dann raus und sagte, dass er uns nach dem Konzert genau an dieser Stelle wieder einsammeln wird. Dann fuhr er weg und wir standen da – zwischen Hunderten von langhaarigen Rockern in Lederkutten, Nietengürteln und Motoradstiefeln – in gelben Gummistiefeln und farblich passendem Ostfriesennerz. Wir drängeltem zum Eingang, zeigten unsere Karten und stürmten das Gelände – ab nach vorne. Dank des Rücksichtsbonus, den wir als kleine Pimpfe hier hatten und wahrscheinlich auch dank unseres Signalfarbenen Outfits schafften wir es innerhalb kürzester Zeit bis in einer der ersten Reihen auf der linken Seite – nur ein paar Meter entfernt von einer der beiden monströsen Boxenwände. Um kurz nach acht kam ein kleiner Mann auf die Bühne der mit einer Stimme ins Mikro brüllte, die man ihm bei seiner Körpergröße nicht zugetraut hätte. Er sagte etwas wie: “Ladies and Gentlemen, get ready for Iron Maiden. ”

“Iron Maiden – noch nie von gehört” dachte ich und sah zu, wie die Jungs anfingen zu rocken während der kleine Mann, der vorher ins Mikro gebrüllt hatte, mit einer echt coolen Monstermaske vor den Musikern über die Bühne hüpfte – Strange. Eine halbe Stunde später waren Iron Maiden durch und auf der Bühne wurde ein bisschen umgebaut. Nicht nur bei uns stieg die Spannung, auch alle anderen freuten sich darauf, dass es nach der recht ordentlichen Vorgruppe gleich richtig zur Sachen gehen würde. Das merkten wir vor allem daran, dass es in den vorderen Reihen spürbar enger wurde. Vor 20 Jahren noch hätte ich mich geweigert das zuzugeben, aber im Rückblick muss ich sagen, das unsere grellgelben Regenjacken sicher ihren Teil dazu beigetragen haben, dass wir da vorne nicht zerquetscht wurden.

Dann wurde es auf der Bühne dunkel, schemenhafte waren ein paar umherschleichende Gestalten zu erkennen und mit einer Lautstärke, die Iron Maiden nochmal deutlich übertraf zucken grelle Lichtblitze auf. Da waren sie endlich: KISS. Und sie rockten so, wie wir uns das vorgestellt hatten – und besser. Gute 1 1/2 Stunden lang standen wir zwischen headbangenden Rockern und jubelten uns die Kehle aus dem Hals – zumindest soweit das in der Stimmbruchphase möglich war. Nachdem wir uns zum Ausgang gekämpft hatten steuerten wir den ausgemachten Treffpunkt an, wo mein Papa sichtlich glücklich darüber, dass wir wohlbehalten wieder da waren und ihm, während er auf uns gewartet hatte, keine den Stern von der Haube geholt hatte.

Bis dato wurde ich an diese Geschichte immer dann erinnert, wenn ich auf einem Konzert oder auf einer Party war, wo es so laut zugeht, dass mein linkes Ohr anfängt zu pfeifen. Dann denke ich immer daran, dass ich mich damals nicht so nah vor dieses riesige Boxenwand hätte stellen sollen. Und seitdem ich neulich mit meinen 7 und 9 Jahre alten Söhnen bei Wetten dass? den wohl schlechtesten Kiss Auftritt aller Zeit gesehen habe, kenn die beiden diese Geschichte auch. Obwohl sich mein Musikgeschmack seither ziemlich geändert hat – um nicht zu sagen weiterentwickelt – haben sich die beiden natürlich gemerkt, dass Papa früher einmal Kiss-Fan war.

Und so kamen sie auf die Idee mir zu Ostern diese Kiss Bühne aus Lego zu bauen – mit Gene Simmons, Paul Stanley, Ace Frehley und Eric Carr. Großartig, oder?

2 Kommentare zu “Lego Kiss Konzert”

  1. Webrocker

    Pah, von wegen ‘besorgt’, das war hart erarbeitet – ich habe fast den ganzen Nachmittag Plakate geklebt im Gelände. Ich bin heute noch stinksauer auf meine Eltern, dass ich damals mit Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein musste und ich *nicht* auf das Konzert gehen durfte. Immerhin konnte man das Konzert bei geöffnetem Fenster in meinem Zimmer hören, toller Trost. \m/

  2. Webrocker

    PS: Die KISS Bühne Deiner beiden Jungs ist natürlich unglaublich großes Kino!!

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