Erdmöbel – Krokus Tourstart im Schauspiel Frankfurt, 10.10.2010. oder „Manchmal wäre ich gern mehr Arschloch“

Ich hab erst Samstag davon gehörtlesen: Erdmöbel am Sonntag im Schauspiel Frankfurt. Am Sonntag haben wir erfahren, dass es noch Karten gibt, welche zurücklegen lassen und ich hab „Krokus“ runtergeladen – die neuen LP, von der ich auch noch nicht gehört hatte.
Pünktlich da, Platzkarten 4. Reihe, das Schauspiel füllt sich bis zur Hälfte. Ich hatte vorher schon per Telefon gefragt, Fotos nur nach Absprache mit der Presseabteilung. Nachdem es dunkel wird Erdmöbel anfangen und das erste Fotohandy gezückt wird, kommt gleich eine Ermahnung der Platzanweiserin. Davon unverschont bleibt der Typ 3 Plätze weiter. Der ist mir im Hellen schon aufgefallen, als er mit irgendeinem technischen Gerät und einem neuen Päckchen Batterien hantierte. Jetzt hätte er der Platzanweiserin allein schon wegen seiner stocksteifen Körperhaltung ins Auge fallen müssen: den linken Oberarm am Körper abgestützt, so dass der Unterarm im 45° Winkel auffällig zur Bühne zeigt. Besonders auffällig dabei: die schwarze Socke, mit der er auf die Bühne zielte.

Tja, ich hatte die Platte bis dato nicht 1mal ganz gehört und in Kombination mit den bühnennahen Plätzen hab ich den Gesang bei den neuen Liedern nur angestrengt verstehen können. Schade, so hatte es auch bei mir eine Zeit gedauert, bis Erdmöbel mich hatten. Und das obwohl die Platte „mitschwing-musikalisch“ echt mitnimmt. Spätestens mit „Erster Erster“ war der Funke drüben und das Schauspiel mittlerweile zu 2/3 voll. Erdmöbel spielten (glaube ich) alle Titel der neuen CD bis auf einen, streuen zwischendrin aber auch Knaller wie In den Schuhen von Audrey Hepburn, Dreierbahn, Vergnügungslokal mit Weinzwang, Devise der Sterne und noch 2/3 andere ein.
Bei der zweiten Zugabe gibt Rhythmusgeräte fürs Publikum – Streichholzschachteln – und zwei aufmerksame Feuerwehrmänner ohne Aufpreis. Dazu die Ansage, dass die Band dann gleich draußen am Tisch sei.

Licht an. Der Typ drei Plätze weiter zieht das Mikrofon aus der Socke und schaltete das Aufnahmegerät aus. Während er einpackt leeren sich die Reihen rundherum, ich gehe hin und will freundlich nach einer angemessenen Belohnung für mein Stillschweigen fragen. „Ähm, T‘schuldigung, aber …..“ weiter komm ich nicht, da bellt er mir in unangenehmsten Ton ein: „nein, ich tausch nix und ich geb auch nichts raus“ entgegen. „Na,“ sag ich, „das hätte man aber auch freundlicher vermitteln können.“. Im Rausgehen blicken mich allerlei Augenpaare an, die seinen Mitschnitt ebenfalls mitbekommen haben und jetzt mit Jacken überm Arm darauf hoffen, dass ich den Download Link verkünde. Stattdessen schüttel ich den Kopf und raune Ihnen ein „Keine Chance“ entgegen.

Ein Shirt hatte ich mir schon vorm Konzert gekauft, aber „Ein langer Brief an September Nowak“, den Roman von Sänger &Texter Markus Berges, wollte ich sowieso haben. Nachdem der große Andrang vorbei ist geh ich also vor zum Stand, warte nebenbei darauf, dass mich jemand anlächelt und mir das Buch verkauft, während ich nebenan das Treiben und die Gespräche am Signiertisch verfolge.

Widmung für Töchter, echte Fans, alte Fans und sogar für ganz alte Fans werden geschrieben. Zwischendurch kauf ich das Buch und höre den zwei/drei letzten Wunsch-Widmungs-Wartenden zu. Und der Vorletzte, der eine CD und gleich zwei Büchern (Hugendubel) signiert haben möchte, zieht all die Sachen aus der Plastiktüte, in die er ein paar Minuten zuvor sein Aufnahmezeug reingestopft hat. Jetzt erst erkenne ich ihn und höre ihn in einem schrecklich schleimigen Ton sagen: „Und schreib hier doch bitte, ….“
„Für das Arschloch, daß das Konzert mitgeschnitten hat.“ schießt mir durch den Kopf. Aber dazu bin ich dann doch zu wenig Arschloch. Leider.

Ein Kommentar zu “Erdmöbel – Krokus Tourstart im Schauspiel Frankfurt, 10.10.2010. oder „Manchmal wäre ich gern mehr Arschloch“”

  1. bosch

    Ha, ein bißchen so war’s in Berlin auch – mir wurde die Kamera abgenommen, aber vor der Bühne hat einer das ganze Konzert mitgefilmt. Ist aber nie bei YouTube erschienen:

    http://boschblog.de/2010/09/20/erdmoebel-17-09-2010-im-lido-ein-hauch-von-petersilie/

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