WM06 – Mach ihn rein!

Die WM in unserem Land treibt komische Blüten. Nicht nur, dass die Autobahnen flächendeckend mit Willkommensgrüßen plakatiert werden müssen, um davon abzulenken, dass dunkelhäutige Fans bei uns nicht überall furchtlos Fußballfeste mit Freunden feiern können. Oder das man als Normalsterblicher für eine Eintrittskarte zu einem der Spiele einen Internetzugang besitzen muss, fast so viel Glück braucht, wie ein Lottogewinner und dazu dann noch einen Persönlichkeitsdaten-Strip hinlegen darf (gut – alternativ dazu reicht es auch den Kaiser zu kennen oder zumindest jemanden aus der oberen Etage der FIFA oder einem der vielen Sponsoren).

Nein, es gibt noch andere amüsante Dinge, die sich rund um die WM-Stadien tun werden. Und zwar in den so genannten Verrichtungsboxen. Ein Wort, wie es Deutscher nicht klingen könnte – auch wenn es eine rein holländische Erfindung ist. „Verrichtungsbox“ – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zumindest solange, bis man weiß, was sich hinter dieser schönen Umschreibung verbirgt. Denn was da klingt wie ein Großraum-Dixi für den Massen(h)a(r)ndrang, ist nichts anderes als ein Puff-Kontainer. Sie sehen aus wie Carport-Kolonien und sind gedacht, um dem Besucher eines Autostrichs ein lauschiges und den Damen ein sicheres Örtchen zu bescheren. Diese aus den Niederlanden importierte Idee einer massentauglichen Befriedigungsstation hat eigentlich einen ganz nachvollziehbaren Ursprung: Sie wurde in Utrecht geboren, um den Straßenstrich auf ein kontrollierbares Gelände zu verlagern, zu dem Zuhälter und Dealer keinen Zutritt haben.

Soweit so gut – zumindest für die bedürftige Zielgruppe. Die soll allerdings mit Beginn der WM stark anschwellen. Konfrontiert mit diesen harten Fakten gilt es, (Er)lösungen zu finden. Also werden zum einen ca. 40.000 „Verrichterinnen“ nach Deutschland kommen, um zu Gast bei Freunden zu sein und natürlich vor allem, um unsere Gäste zu bedienen, zum anderen sollen in Nähe der Fußballstadien zusätzliche Verrichtungsboxen platziert werden. Dann kann der enttäuschte Fan vor den Toren des Stadions das tun, was seiner Mannschaft drinnen nicht gelungen ist.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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