Terrorist mit sauberem Laptop

Der Rückflug aus B gestaltete sich durchaus interessanter als gedacht. Gegen 5 hab ich im neuen Hauptbahnhof die zwischengelagerten Taschen abgeholt. Dann mit S-Bahn, S-Bahn und Bus raus nach Tegel (Ja, 2 mal umsteigen – echte Weltstadt Anbindung vom HBF zum Flughafen).

Gegen 6 Gepäck eingecheckt, noch eine Runde über den Flughafen geschlendert (geht in Tegel ja echt schnell) und dann zum Gate. Bei der Durchleuchtung die Laptop Tasche hingelegt, die Taschen entleert und – wie gewöhnlich – gefragt worden, ob in der Laptoptasche ein Laptop sein. „Ja, da ist ein Laptop drin.“ sage ich wahrheitsgetreu und mache die Tasche auf, weil ich den nächsten Satz ja schon kennen. „Würden Sie den bitte hier rein legen“ sagt die Sicherheitsdame und reicht mir eine dieser grauen Boxen.

Ohne Uhr, Mütze, Handy und Schlüssel und Piep zu machen geh ich durch die Piep Schleuse, der Sicherheitsmann mit diesem Hand-Metall-Detektor macht keinerlei Anstalten mich zu kontrollieren, also fang ich an, meine Taschen wieder zu füllen und will meinen Laptop einpacken./

Da spricht mich ein anderer Sicherheitsbeamter an und sagt: „Würden Sie bitte den Laptop nehmen und mir folgen?“. Wahrscheinlich sah ich sehr überrascht aus – anders kann ich mir die folgenden, Krishnaartige Wiederholungen der Floskeln: „Keine Angst.“ „Das ist reine Routine.“ und „Dauert nicht lange.“ nicht erklären.

Auf meine Frage, was wir denn nun machen, antwortete er, mein Computer bekäme eine Sonderbehandlung. Er nahm mich an die Seite und wir wanderten zurück in den öffentlichen Teil des Flughafens, durch eine unglaublich unauffällige Tür, einen engen Gang entlang hinein in ein winziges Zimmer, in dem eine seiner Kolleginnen gelangweilt las.

„Reine Routine, kein Problem“ warf der Sicherheitsmann mal wieder mehr oder minder beruhigend ein, während die Dame in der Ecke gemächlich ihre Zeitschrift weglegte, an den Alutisch zwischen uns trat und bei dem Satz:„Legen Sie den Laptop mal hier hin und machen Sie ihn auf.“ nicht einmal ansatzweise versuchte, ihren sächsischen Dialekt zu unterdrücken.

Mit den Worten „Wir werden ihren Laptop jetzt mal auf Sprengstoffspuren hin überprüfen.“ schnappte sie sich ein Blatt Küchenrolle und begann damit meinen Laptop abzuwischen – während ich mich noch fragte, wie sehr ich wohl nach Terrorist aussehe. (Später in der Wartehalle sah ich mich noch mal genau um – ich garantiere, dass jeder andere Passagier mehr nach Terrorist aussah als ich – und ich hab das ganz objektiv beurteilt.)

Wie dem auch sei – sie verließ den sauber abgewichten Laptop (Danke), legte das Zewa Blatt Küchenrolle auf einen Tisch mit einer Art Leuchtkasten und klappte einen Gitterrost darüber.
Dann ging sie zu dieser großen Maschine, die hinter ihr stand und holte etwas heraus, das aussah wie eine Mischung aus verkabelter Laserkanone und einem sehr exotischen Domina Spielzeug. Es war jedoch eine Art Riesen Staubsauger mit dem Sie nun meine Tastatur absaugte.

„Das ist aber nett,“ sagte ich während die Brotkrümel in den Monstersauger geschlürft wurden. „Das hatte der Laptop auch nötig.“ Sie saugte auch noch die Küchenrolle ab – meiner Meinung nach völlig überflüssig, aber Sauberkeit schien ihr irgendwie wichtig zu sein. Der Sauger wanderte in die Maschine zurück , ein-zwei Lämpchen leuchteten, es piepste und ich durfte gehen.

Auf dem Rückweg erzählte mir der Sicherheitsmann, der mir noch immer nicht von der Seite gewichen war, sie hätten mal den Laptop von einem Journalisten untersucht, der 1 Jahr zuvor in einem Krisengebiet war. „Da hat das Gerät aber ganz schön angeschlagen.“ verkündete er stolz. Damals. Der große Tag. *seufz*

Nicht nur ich als potenzieller Terrorist musste ein weiteres Mal durch den kompletten Sicherheitscheck, auch der Sicherheitsmann musste die Taschen entleeren, durch den Pieps-Rahmen gehen und sich von seinem Kollegen mit dem Handmetalldetektor bewurschteln lassen.

Was soll man von so einem Flughafen halten? Versteckte Fernseher (wenn überhaupt?) und eine miserable Anbindung. Auf der anderen Seite gesicherte Sicherheitsleuten und als Service eine routinemäßige Laptopreinigung. Für Touristen zu empfehlen – für Terroristen nur bedingt.

4 Kommentare zu “Terrorist mit sauberem Laptop”

  1. Nicole

    Wow. Das ist ja heftig.

    Immerhin ist die Tastatur jetzt sauber… Meine ist so verkrümelt, daß diverse Tasten klemmen…

  2. Markus Merz

    Was Alles hätte passieren können … :-)

    lektionen in demut

    Fand ich gerade so passend …

  3. buntklicker.de

    Du scheinst nicht oft zu fliegen, diese Art der Abschnüffelung habe ich schon auf allen möglichen Flughäfen über mich bzw. mein mitgeführtes Equipment ergehen lassen (müssen). Daß es Dich gerade in TXL erwischt hat, ist eher Zufall als alles Andere. Solche Sprengstoffschnüffler gibt es auf allen (?) Flughäfen.

  4. del norte

    Hi, mir ist das heute in TXL widerfahren, hatte Netbook, Digicam,u.m.i.d. Tasche. nach der Röntgenkontrolle,bat mich der Sec.Man in einen anderen Raum, zur “Sonderuntersuchung”. Ein Kollege von ihm nahm mit einem Scheckkartengroßen Pappstück Abstrichproben von der Tastatur, gab das Pappstück in einen Metallkasten und nach wenigen Sekunden wurde ich wieder entlassen. (Ohne näher auf meine Nachfrage eizugehen ob “Sie” Sprengstoff oder Rauschgift suchen. Fazit, vielleicht gab die Silover Nanobeschichtung auf der Samsung Tastatur den Ausschlag für die Untersuchung.(Ergibt vielleicht ne verdächtige Verfärbung auf dem Röntgengerät). Ich selbst mache nicht unbedingt den Eindruck eines “Verdächtigen”. Aber was wirklich den Ausschlag gab ???? Grüsse Del

sag auch was dazu: